Seit meiner Kindheit begleitet mich eine Wahrnehmung, die ich lange Zeit nicht als ungewöhnlich empfunden habe, da sie für mich selbstverständlich und allgegenwärtig war: Vor meinem inneren Auge haben Buchstaben und Zahlen fest zugehörige Farben. Wochentage, Monate und Jahre sind in meinem Kopf räumlich angeordnet. Mit den Jahren stellte ich fest, dass ich bei anderen Menschen auf Unverständnis stieß, und behielt meine Bilder lieber für mich.🤭

Erst im Rahmen meines Design-Studiums bin ich durch Zufall auf den Begriff Synästhesie gestoßen und habe erkannt, dass es sich um ein Phänomen handelt, das zwar nur einen kleinen Teil der Bevölkerung betrifft. Doch jetzt wusste ich, dass ich keinen „Spleen“ habe, den es zu verstecken gilt, sondern eine gewisse Gabe, die wissenschaftlich erforscht wird. 😌
Synästhesie meint die Verknüpfung von unterschiedlichen Sinneseindrücken. Das können ganz unterschiedliche Kombinationen sein, beispielsweise die Verknüpfung von Geräuschen oder Geschmacksrichtungen mit Farben und/oder Formen. Für mich persönlich war die Erkenntnis groß: Was schon immer da war, hatte endlich einen Namen! In meinem Fall sind es die Graphem-Farb-Synästhesie, bei der Zahlen und Buchstaben eine feste Zuordnung zu bestimmten Farben haben, sowie die Zeit-Raum-Synästhesie, bei der Wochentage, Monate und Jahre räumlich wahrgenommen werden.

Mein A ist übrigens nicht grün, nicht blau und nicht braun, sondern rot. Da haben die Macher der Schrift ColorTube, die ich hier verwendet habe (erhältlich bei Fontfabric), offenbar eine andere Wahrnehmung. 😜